Autor: Peter Unterberg, BKU Geschäftsführer
„Wir diskutieren heute Fragen und Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen.“ So leitete der Vorsitzende der Diözesangruppe Stuttgart, Reinald Wolff, den ersten Unternehmer-Dialog der Gruppe ein. Rund 90 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt und erlebten ein für den BKU völlig neues Format, das Moderator Stephan Teuber als „institutionalisierte Kaffeepausen“ vorstellte.
Da bei vielen Tagungen der Austausch bei den Kaffeepausen den meisten Gewinn bringe, habe man diesen Austausch kanalisiert, erklärte der Geschäftsführer der Loquenz GmbH. Um das zu erreichen, gliederte Teuber das Plenum in neun Stuhlkreise. In jeder dieser Runden stellten Unternehmer und Manager zentrale Aspekte Ihrer internationalen Arbeit vor. Die Teilnehmer konnten sich in zwei Durchgängen jeweils für eine gute halbe Stunde in eine dieser Runden einklinken, die unter dem Oberthema „Globale Geschäfte – globale Werte?“ standen.
Der Geschäftsführende Gesellschafter der Breyer GmbH, Walter Breyer, berichtete von den hohen Rabatten, die Kunden in Ostasien beim Kauf seiner Maschinen erwarten. Besonders in Korea werden hohe Abschläge erwartet, die von örtlichen Agenten ausgehandelt werden, die mit viel Aufwand ihre Netzwerke pflegen müssen. In China dagegen fallen die Rabatte niedriger aus. Dafür ist ein Vertrag mit Kunden im Reich der Mitte erst dann sicher, wenn die erste Anzahlung eingeht. Dass gute Beziehungen auch in Russland wichtig sind, hat Martin Wiedemann als Mitarbeiter von Ernst & Young erlebt. Zudem musste er dort erst lernen, dass sich die Russen bis heute als Großmacht fühlen und sich deshalb von Ausländern nur sehr ungern belehren lassen.
Für den Geschäftsführenden Gesellschafter der Balluff GmbH, Rolf Hermle, ist es wichtig, dass sein Unternehmen von den Mitarbeitern als international wahrgenommen wird – mit Standorten in aller Welt und gemeinsamen Zielen. Bei der Umsetzung der Unternehmenswerte sei es wichtig, dass auch die Mitarbeiter an den ausländischen Standorten auf Augenhöhe gefragt werden, ob sie sich vorstellen können, diese Werte zu leben. Ähnlich sieht dies der Vertriebsleiter der Pilz GmbH & Co. KG, Klaus Stark: „Es ist wichtig, für die Kommunikation mit den Menschen vor Ort die richtigen Menschen und Wege zu finden, die zur Firma passen“, meinte er. Dass es dabei „kein Wahrheitsmonopol der Firmenzentrale geben darf“, ergänzte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Fuchs Petrolub AG, Dr. Manfred Fuchs. Er hat im Laufe seines Unternehmerlebens viel von den Mitarbeitern in aller Welt gelernt und empfiehlt daher allen Gobal Playern, auf lokale Talente zu setzen.
„Werte sind Rettungsanker in der Krise“, betonte Frank Straub, Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Blanco + Blanco CS GmbH & Co KG. Sie würden helfen, auch in schwierigen Zeiten Kurs zu halten, versicherte er und fügte einschränkend hinzu, dass dies nur dann gelinge, wenn schon vor der Krise auf Werte gesetzt wurde. Die Unterschiedlichen Werte zwischen „Schwaben“ und Amerikanern erlebt der Geschäftsführende Gesellschafter der J. Eberspächer GmbH & Co.KG, Martin Peters. Die eher nachhaltig geprägte Kultur der Schwaben sei bei technisch anspruchsvollen Projekten hilfreich. An anderer Stelle seien sie im Vergleich zu den optimistischen Amerikanern aber oft zu „jammernd und unflexibel“ „Nehmen wir uns das beste aus beiden Systemen heraus“, schlug er deshalb vor.
Pragmatischer ging Dr. Hubert Reinisch von der Geschäftsleitung der teamtechnik GmbH an das Thema heran: Bei Verkaufsverhandlungen gehe es nicht um Werte, sondern um die konkreten Vorteile eines Produktes, betonte er. Als Vehikel der Wertevermittlung seien soziale Projekte ausländischer Niederlassungen sinnvoll, schlug er vor.
Mit englischem Humor wies John Speirs von Ensinger Asien auf die bekannte Erkenntnis hin, dass die Chinesen „alles“ kopieren: „Ich hoffe, dass sie auch unsere Werte kopieren“; meinte er verschmitzt und erinnerte daran, dass die Chinesen vor allem deshalb so „tricky“ seien, weil sie immer wieder unter schwierigsten Umständen überleben mussten.
Umrahmt wurde der Tag von drei Vorträgen: Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst, legte unter dem Eindruck der Veranstaltung spontan sein Manuskript zur Seite, um einige Botschaften frei zu formulieren. Dazu gehörte die Grundaussage der Katholischen Soziallehre, dass alle Strukturen dazu dienen müssen, die Personalität des Menschen zu entfalten. Jeder Mensch habe einen Wert, der nicht monetär und nicht übertragbar sei, sondern auf der Gottesebenbildlichkeit des Menschen basiere. Außerdem betonte der Bischof, dass die Diözese rund 45 000 Mitarbeiter beschäftigt und er deshalb auch als Unternehmer und Arbeitgeber einiges zu sagen hat.
Der ehemalige Vorsitzende der Geschäftsführung der Hewlett Packard GmbH, Prof. Heribert Schmitz, stellte globale Trends vor, die ein Umdenken in Politik und Wirtschaft erfordern. So wachse die Weltbevölkerung nach wie vor um 250 000 Menschen pro Tag und die Wüsten um 20 Hektar pro Tag. Im Bereich der Lohnkosten geht Schmitz davon aus, dass zwischen armen und reichen Ländern noch über Jahrzehnte ein Gefälle von 1:10 bestehen bleiben wird. Dazu komme ein Hunger nach Erfolg und gute Ausbildungen in den Schwellenländern.
BKU-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Hemel von der Strategie & Wert GmbH griff unter anderem die Notwendigkeit auf, eine gute Balance zwischen Kooperation und Wettbewerb zu finden. Beide Elemente seien im Menschen angelegt, sagte er und fügte hinzu: „Übertriebener Wettbewerb ist mörderisch, übertriebene Kooperation führt zur Mafia.“
Einigkeit bestand am Ende darüber, dass der Auftakt fortgesetzt werden soll. Als Termin für den zweiten Unternehmer-Dialog nannte DG-Vorstand Wolff den 7. Oktober 2010.
U/Jour09_03/UntStuttgart